25.02.2020Nachhaltigkeit im Bau: Biodiversität verstehen

Nachhaltigkeit im Bau: Biodiversität verstehen

 

Biodiversität und Nachhaltigkeit in aller Munde – zumindest sollte das so sein. In Zeiten von Bestrebungen zur Verbesserung der Umwelt möchten wir zeigen, wie auch Eigentümer/innen und Investoren/innen, ja sogar Mieterinnen und Mieter einen Teil dazu beitragen können. Mit unserem ersten Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit oder eben «Biodiversität am Bau» versuchen wir etwas Klarheit über die Möglichkeiten zu schaffen sowie Vorteile und Gründe aufzuzeigen, warum Sie sich spätestens bei der nächsten (Dach-)Sanierung Gedanken zu diesem Thema machen sollten.

 

Starten wir als erstes mit den wichtigsten Begriffen, die die Biodiversität am Bau prägen.

 

Biodiversität – was ist das?

Biodiversität oder biologische Vielfalt umfasst alle Lebensgemeinschaften (Ökosysteme) mit ihren Pflanzen- und Tierarten.

 

Biodiversität am Bau

Mit Biodiversität am Bau wird die Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt am und ums Gebäude (Bauobjekt) mit gezielten Massnahmen gefördert. Bauherrinnen und Bauherren (Eigentümer oder Investoren) erreichen mehr Biodiversität mit einer naturnahen Hausumgebung, begrünten Fassaden und ökologisch wertvoll begrünten Dächern.

Ökologisch wertvoll ist eine Bepflanzung dann, wenn man sich auf einheimische Pflanzen beschränkt, die durch einheimische Tiere nutzbar sind. Gleichzeitig sollten Pflanzen aus der Umgebung verwendet werden, da diese an die lokalen Begebenheiten angepasst sind.

 

Begrünungsvarianten auf Flachdächern

Extensive Begrünung

Als extensive Begrünung bezeichnet man einen Schichtaufbau mit einer Substratdicke von 10 – 12 cm. Es handelt sich dabei um eine trockenheitsverträgliche Vegetation. Mehr Biodiversität erreicht man hier durch mehr Substratdicken. Extensive Gründächer können in der Regel auch auf bestehenden Dächern erstellt werden.

Bei den meisten Flachdächern sollte eine extensive Begrünung möglich sein.

Die extensive Begrünung ist pflegeleicht und dadurch langfristig kostengünstig. Nichtsdestotrotz werden Sie die Pflege als fixen Bestandteil Ihrer Gebäudeerhaltungskosten einplanen müssen.

 

Intensive Begrünung

Unter einer intensiven Dachbegrünung versteht man einen vollwertigen Bodenaufbau mit einer Substratdicke von mindestens 20 – 30 cm. Die dadurch entstehende dichtere und höhere Pflanzendecke bietet auch Hecken und kleineren Bäumen Raum. Die Pflege ist dadurch umfangreicher als bei der extensiven Begrünung und somit ein wiederkehrender Bestandteil Ihrer Gebäudeerhaltungskosten.

Wird bei einem Neubau zum Beispiel ein Parkareal überbaut, müsste die Bauherrschaft konsequenterweise eine intensive Begrünung wählen und diese direkt im Neubauprojekt einplanen. Nachträglich bzw. auf einem bestehenden Gebäude eine intensive Begrünung umzusetzen, ist aus Gewichtsgründen in der Regel nicht möglich. Es sei denn, sie war von Anfang an vorgesehen. Auskunft gibt auch hier die bestehende Nutzungsvereinbarung.

 

Solaranlage auf Dächern

Mit einer Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) leisten Sie einen wertvollen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Sie decken Ihren Strombedarf (oder einen Teil davon) durch Sonnenenergie. Überschüssiger Strom wird ans Netz abgegeben.

Eine weitere gute Nachricht ist, dass sich eine Begrünung Ihres Daches und die Installation einer Photovoltaikanlage (PV-Anlage) bestens ergänzen. Sie können also beides gemeinsam machen. Voraussetzung ist eine gute Detailplanung, damit die Kombination auch langfristig funktioniert.

 

Nutzungsvereinbarung: die Statik spielt eine entscheidende Rolle

Die Nutzungsvereinbarung wird von einem Bauingenieur erstellt und der Bauherrin dem Bauherrn übergeben. In ihr wird festgehalten, wieviel Gewicht (Auflast) auf dem Gebäude zugelassen ist. Sie legt somit fest, welche Art der Begrünung (extensiv oder intensiv) auf Ihrem Dach möglich ist.

Diese Vereinbarung wird vor jedem Projektstart benötigt. Die Erstellung einer Nutzungsvereinbarung wurde erst am 01.01.2003 (mit der SIA Norm 260) fest im Planungsprozess verankert. Es kann sein, dass für ältere Gebäude noch keine besteht, sie kann aber auch nachträglich durch einen Bauingenieur erstellt werden (Auftrag durch Eigentümerschaft).

 

Gewichte und Auflasten für Gründdachaufbau

Um eine gewisse Biodiversität erreichen zu können, muss für den Gründachteil eine minimale Auflast von 135 kg/m2 (=1.35 kN/m2) vorhanden sein. Für Neubauten gilt diese Auflast als Minimalwert.

Unter dieser Voraussetzung kann ein Gründach mit einer guten Deckung und bezogen auf das Sommerhalbjahr ansprechender Blühphase erreicht werden. Mit weniger Substrat ist die Deckung mit Vegetation teilweise ungenügend.

(Mehr zu den Auflasten und deren Herausforderungen in unserem nächsten Artikel)

 

Warum muss die Biodiversität (am Bau) gefördert werden?

Die Artenvielfalt (Biodiversität) hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Vor allem in Städten ist die Lage bedenklich.

 

Die 2 Hauptgründe für die Abnahme der Biodiversität in den Städten:

  1. Verdichtetes Bauen
  2. Versiegelung von Grünflächen, ohne Ersatz

Dadurch fehlen wichtige Korridore und Lebensräume für Insekten und andere Tiere und lässt sogenannte Hitzeinseln entstehen. Städte versuchen dem entgegenzuwirken, indem sie, wie die Stadt Zürich, mit der Bau- und Zonenordnung, Bauherren verpflichtet, zerstörte Grünflächen wieder zu ersetzen (am, auf und um das Gebäude).


Vorteile von Dachbegrünungen

Die Vorteile von begrünten Flachdächern sind auch die Gründe, warum Sie sich unbedingt mit diesem Thema auseinandersetzen sollten – spätestens bei der nächsten Dachsanierung.

 

Schaffung von Ersatzlebensräumen

Ökologisch wertvoll begrünte Dächer bieten neuen Platz für Tiere und Pflanzen (Erhöhung der Biodiversität). Sie stehen über den Samenflug, Insekten und Vögel im Austausch mit den bodengebundenen Lebensräumen – und fördern die Vernetzung

Diese Ersatzlebensräume können wichtige Trittsteinbiotope sein.

 

Temperaturausgleich am Gebäude und für die Stadt

Dachbegrünungen bewirken einen Temperaturausgleich auf das Gebäude. Sie verbessern den Wärme- und Kälteschutz und mindern so den Energiebedarf. Das Gebäude strahlt an heissen Tagen weniger Hitze ab und verbessert so das Mikroklima der Umgebung.

 

Entlastung der Siedlungsentwässerung

Durch Dachbegrünungen werden 40 – 90% des Regenwassers zurückgehalten. Das Regenwasser fliesst verzögert ab und ein Teil verdunstet.

 

Filterung und Bindung von Feinstaub

Wer möchte nicht auch sagen können, dass er/sie aktiv zur Verminderung des Feinstaubs beiträgt?

 

Weniger Lärm

Dachbegrünungen erhöhen den Schallschutz von Gebäuden.

 

Höhere Lebensdauer der Dachabdichtung

Eine rund 1½x längere Lebensdauer Ihrer Dachhaut zeigt sich auch im Portemonnaie.

 

Erhöhung der Attraktivität

Eine optische Aufwertung erfreut nicht nur die Natur, sondern auch die Nachbarn.

 

Begrünung von Dächern: Vorteile für Bauherrinnen und Bauherren

  • Eine verlängerte Lebensdauer der Dachabdichtung zeigt sich auch im Portemonnaie.
  • Die Reduzierung der Regenwassergebühr
  • Verbesserung des Wärme- und Kälteschutzes (tiefere Heizkosten)
  • Attraktivere Wohn- und Arbeitsräume, durch eine schönere Aussicht
  • Verbesserter Schallschutz und gute –absorption

 

Kosten für ein Gründach

Wer hier nun einen Frankenbetrag erwartet, den müssen wir (vorerst) enttäuschen. Wir werden aber in diesem Jahr aufgrund unserer gesammelten Erfahrungen versuchen, Ihnen eine Leitplanke zu geben.

 

Sind Sie Immobilienbesitzer in der Stadt Zürich? Dann haben wir noch einen Tipp für Sie!

Jede Flachdachsanierung in der Stadt Zürich muss gemäss Bauordnung einen Beitrag zur Biodiversität leisten. Kontaktieren Sie «Grün Stadt Zürich» für eine gute und fachkompetente Beratung und wichtige Tipps für Ihr Projekt.

 

In unseren nächsten Artikeln werden wir noch tiefer in das Thema “Biodiversität am Bau” eintauchen. Haben Sie einen besonderen Wunsch für das nächste Thema? Dann schreiben Sie uns auf socialmedia@verit.ch - wir freuen uns!

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